Was treibt den Strompreis in die Höhe?

 Politikern und Medienvertretern aller Couleur ist es in den letzten Monaten gelungen, die erneuerbaren Energien (EE) - insbesondere die Fotovoltaik (PV) - in unverantwortlicher Art und Weise in Misskredit zu bringen. Aber

Die erneuerbaren Energien sind nicht schuld an den Strompreiserhöhungen. 

 5 Argumente, die das belegen:

 1. Die Stromkonzerne und die Politik treiben die Strompreise viel stärker in die Höhe als die EE.

Von 2000 bis 2012 stieg der Strompreis für Privatkunden um 11,8 Cent, die EEG-Umlage um 3;4 Cent. Das bedeutet, für 8,4 Cent Preissteigerung ist die herkömmliche Energiewirtschaft verantwortlich.

 2. Die EEG Umlage spiegelt nicht die Förderung der erneuerbaren Energien wider.

Nach Berechnungen des Bundesverbands Erneuerbare Energien (BEE) steigt die reine Förderung der EEG Anlagen von 2012 bis 2013 von 2,07 auf 2,26 Cent, die EEG-Umlage aber von 3,592 auf 5,277 Cent. Das heißt der überwiegende Teil der Steigerung geht auf politische Maßnahmen zurück wie EEG-Umlage, Freistellungen der Industrie und die Einführung von Marktmechanismen in das EEG.

 3. Die strompreissenkenden Faktoren der EE werden nicht erfasst und veröffentlicht.

Die Stromerzeugung mit erneuerbaren Quellen senkt durch das zusätzliche Angebot den Strompreis an der Strombörse und somit den Preis für Strombeschaffung für die Verbraucher.

 4. Der Industrie werden zunehmend Vergünstigungen beim Strombezug verschafft.

Mehr und mehr Industriebetriebe werden von der EEG Umlage befreit, haben aber den Vorteil der niedrigeren Börsenstrompreise durch die EE. Große Industriebetriebe sind von den Netzgebühren befreit. Inzwischen ermittelt die EU Kommission wegen Verstoß gegen EU-Recht. Dagegen müssen die ärmsten Bevölkerungsschichten immer mehr Belastungen hinnehmen, denn bei diesen Haushalten ist der Anteil der Stromkosten an den Ausgaben am größten. Die Regierung betreibt selbst mit der „Energiewende“ eine Verteilung der Geldmittel von unten nach oben.

5. Die Förderung der fossil/atomaren Energiewirtschaft wird verschwiegen.

Laut OECD-Umweltprüfbericht Deutschland 2012 werden derzeit fossile Energien in Deutschland mit gut 40 Mrd. Euro jährlich subventioniert, die durch die Steuerzahler finanziert werden. Wenn man diese verdeckte Förderung und die zu erwartenden Schäden durch den Klimawandel berücksichtigt, ist ein Energiesystem auf Basis erneuerbarer Energien heute schon billiger als ein fossil/atomares Energiesystem.

Hier folgt eine ausführlichere Betrachtung mit Quellenangaben:

„Die Strom-Umlüge“ (BWE)

„Die Mär von den teuren Erneuerbaren“ (Greenpeace)

ARGUMENTE:

1.- Die Strompreissteigerungen sind in den letzten Jahren annähernd gleich geblieben, ob an-fangs ohne oder später mit EEG-Umlage. Seit 2000 ist der Strompreis für private Haushalte von 13,9 ct/kWh auf 25,7 ct/kWh im Jahre 2012 gestiegen. Bei dem Anstieg um 11,8 ct ist die (konstruierte) EEG-Umlage mit 3,4 ct beteiligt. Für die restlichen 8,4 ct/kWh sind fos-sile Energien und Gewinnmaximierung der Energiekonzerne verantwortlich (z.B. in Solar-zeitalter 3/12, S.10). Davon spricht niemand, auch nicht davon, dass Öl, Gas und Benzin (schon vergessen) in dieser Zeit ähnliche oder höhere Preissteigerungen hatten.

2.- Die EEG-Umlage belastet (wenn sie denn aussagekräftig wäre) den durchschnittlichen Privathaushalt bei den Gesamtausgaben um ca. 0,4 Prozent (Agentur für EE 10/2011 - 0,3%). Politiker und Medien sprechen lieber von 60 Euro im Jahr, was viel Geld sei für manchen Haushalt. 60 Euro sind 5 Euro im Monat oder 17 Cent täglich, ungeheuerliche Kosten der EE, vor denen Altmaier, Rösler und Co warnen.

3.- An sonnenreichen Tagen sinkt der Preis an der Strombörse mittags wg. der PV-Einspei-sung bis unter Null (Abnehmern wird noch Geld gezahlt). Weil sich Braunkohle- und Atom-kraftwerke nicht beliebig runterfahren lassen, wird das Angebot größer als die Nachfrage. Da schalten die Energiekonzerne lieber die Windräder ab, obwohl sie die Erzeugung per Gesetz ja bezahlen müssen. Ein Vorrang der EE bei der Bezahlung nützt dem Klima aber nicht, die Netzbetreiber sind gefordert. Sie und die Politik sind für die Doppelbezahlung verantwortlich. BRAUNKOHLE UND ATOM VERTRAGEN SICH NICHT MIT DEN ERNEUERBAREN. Da sich die EEG-Umlage aus der Differenz zwischen Börsenpreis und Einspeisevergütung ergibt, ist die Umlage also besonders hoch (entspricht dann der Einspeisevergütung), wenn die Kilowattstunde umsonst zu haben ist - ein verrücktes System. Den relativ wenigen Solar-kWh, die gesetzlich vergütet werden müssen, stehen Milliarden Kilowattstunden gegen-über, die null Cent kosten. Diese riesigen Einsparungen werden von den Stromkonzernen nicht weitergegeben. Auch die von dieser Regierung eingeführte Marktprämie trägt zur Kos-tensteigerung bei. Gäbe es keine PV-Einspeisung, müsste die mittägliche Lastspitze z.B.von Gaskraftwerken abgedeckt werden, deren kWh-Preis deutlich höher läge als die Einspeisever-gütung. Diese Spitzenlast-kWh-Preise der Gaskraftwerke wurden und werden in keiner Stromrechnung angeführt. Bei Verrechnung des Börseneffekts würde die EEG-Umlage auf 2 ct/kWh sinken (Solarzeitalter 3/12, S.11).

4.- Immer mehr große Industriebetriebe werden von der EEG-Umlage befreit, um angeblich ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit und damit Arbeitsplätze zu sichern, - ein faden-scheiniges Argument. Wie die Einordnung ja besagt, haben energieintensive Betriebe weniger Arbeitsplätze, arbeitsintensive Betriebe geringere Energiekosten. Entweder sind relativ wenig Arbeitsplätze gefährdet, oder die Energiekosten spielen eine untergeordnete Rolle. Die EEG-Umlage könnte, ohne Ausnahmen auf alle Verbraucher verteilt, um einen Cent niedriger liegen. Lt. OECD-Umweltprüfbericht Dtschl.2012 werden derzeit fossile Energien in Dtschl. mit gut 40 Mrd. Euro jährlich subventioniert (u.a. Dieselkraftstoffe und Kerosin 11 Mrd. Euro, kostenfreie CO2-Emissionsrechte von 7,8 Mrd. Euro). Für angerichtete Klimaschäden könn-ten jährlich ca. 50 Mrd. Euro angesetzt werden (bei 75 Euro je Tonne CO2).

„Weitere Umweltschäden wie Verunreinigung von Böden und Gewässern oder durch lokale Luftschadstoffe sind dabei nicht berücksichtigt. Auch die Zusatz- und Schadenskosten der Kernenergie fehlen in dieser Bilanzierung“ (Solarzeitalter 3/12, S.9).

Lt. Agentur für EE (4/2012) haben die EE für die stromintensive Industrie sogar einen strom-preisdämpfenden Effekt (Börsenpreis vgl. oben), der zu jährlichen Einsparungen von über 7 Mio. Euro führt. Die EE führen also im Exportbereich zu einem Wettbewerbsvorteil für die stromintensive Industrie in Deutschland. Dazu passt die Meldung im Handelsblatt vom 5.9.12, dass der norwegische Alu-Hersteller Norsk Hydro angekündigt hat, seine Produktion am dtsch. Standort in Neuss wieder hochzufahren. „Das energieintensive Schmelzen scheint sich also in Deutschland wieder zu rechnen, entgegen aller Warnungen, die ..... steigenden Strom-preise ließen die Industrie abwandern (Agentur für EE, Renews 12/2012).

5.- Die fossilen Energien haben Zusatzkosten, die in keiner Stromrechnung auftauchen. Greenpeace nennt das die „Konventionelle-Energien-Umlage“ und ermittelte dazu einen Wert von 10,2 ct/kWh, die in Steuern versteckt gezahlt werden. Würden diese Subventionen und externen Kosten in die Preiskalkulation einbezogen, wären die                                                      EE schon heute billiger als fossile Energien.                                            Lt. Agentur für EE wurden bei der Stromerzeugung aus EE für 2009 Kosten von 5,7 Mrd. Euro ermittelt. Denen stand ein Nutzen von 17 Mrd. Euro gegenüber. (vermied. Umweltschäden 5,7 - kommunale Wertschöpf. 5,5 - Merit-Order-Effekt 3,8 - vermied. Importe 2,2) Es scheint völlig in Vergessenheit geraten zu sein, dass die zu erwartenden Klimaschäden ein mehrfaches dessen kosten werden, als wir für die Investitionen in EE bezahlen müssen. Nur die EE werden für eine Begrenzung der Energiekosten sorgen können, weil sie im Betrieb keine Rohstoffe verbrauchen. Was kostet eigentlich Solarstrom? - Eine heute errichtete PV-Anlage liefert 30 Jahre lang Strom für 6 -8 ct/kWh, 30 Jahre lang ohne jegliche Kostensteigerungen. - (Rechnung vgl. unten) Warum also eine so hohe garantierte Vergütung? Ganz einfach, weil sie in unserem System einer rendite-geilen Gesellschaft erforderlich ist. Die Alternative, Energieerzeugung und (künftig) deren Speicherung zur Pflicht zu machen (Marburger Modell), ist nicht mehrheits-fähig. Die CO2-Vermeidung fällt aber nicht vom Himmel, wir müssen etwas tun, und das noch viel schneller als bisher. Dabei führt eine Beschränkung scheinbarer Kosten jedenfalls nicht zum Ziel.

Unsere Enkel werden dereinst sagen, die hatten doch schon Computer, -

aber rechnen konnten sie trotzdem nicht.

Rechnung PV-Stromkosten mit mittleren in 2012 üblichen Zahlen:

z.B. - Eine 10kWp-Anlage für 17000 Euro erzeugt ca.9600 kWh (oft auch mehr !)

          bei einer Betriebsdauer von 25 Jahren also 240000 kWh, - bei 30 J. 288000 kWh,

          17000 : 24000 = 0,07 , also 7 ct,   -   bei 30 J. und Kosten von 15000 Euro (erwartet) = 5 ct

Sie dürfen Zinsen, Versicherung, Wartung und Reparaturen verrechnen, werden aber immer unter 10 ct/kWh bleiben. Wir können uns dazu den derzeit noch tatsächlich teuren Batteriespeicherstrom leisten (50 ct/kWh ?) und bleiben im Rahmen der heutigen Stromlieferpreise.

Text: Klaus Scheithauer

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Weitere Informationen zum Thema:

Dieser Link führt zur Studie "Strompreisentwicklung im Spannungsfeld von Energiewende, Energiemärkten und Industriepolitik" des Öko-Instituts vom Oktober 2012

Studie des Ökoinstituts

 

Dieser Link führt zu dem Hintergrundpapier zur EEG-Umlage 2013 vom Bundesverband Erneuerbare Energien e. V.

Hintergrund-EEG-Umlage-2013.html

 

Dieser Link führt zu dem Artikel Steigende EEG-Umlage: Unerwünschte Verteilungseffekte können vermindert werden aus dem DIW Wochenbericht Nr. 41 vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung

Steigende EEG-Umlage: Unerwünschte Verteilungseffekte können vermindert werden

 

Dieser Link führt zu der Studie "Was Strom wirklich kostet" vom Forum Sozial-Ökologische Marktwirtschaft.

Was Strom Wirklich kostet


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