Zu der Entscheidung der Usinger CDU, den vier Windkraftanlagen nur zuzustimmen, wenn dadurch der Bau weiterer Windkraftanlagen ausgeschlissen werden, schreibt Klaus Scheithauer.

 

Eine deprimierende Entscheidung, Usingen erscheint als letzter Hort einer Klimawandel-Unvernunft. Da hatte man gehofft, endlich haben es alle kapiert, ohne Windkraft geht es nicht und nun kommen die ewig gleichen Einwände, die mit Informationsveranstaltungen in Usingen, Weilrod, Neu-Anspach, Oberursel und anderswo längst ausgeräumt sein sollten.

Die Beeinträchtigung der Natur ist minimal, für den geringen Holzeinschlag  z.B. sind Aus- gleichsmaßnahmen vorgeschrieben, Wege werden zum Teil zurückgebaut, bei Vogelzug können die Anlagen abgestellt werden u.s.w. Übrig bleibt unbestritten der ästhetische Aspekt.nIn Umfragen sind ca. 2/3 der Menschen für einen Ausbau der Windkraft und die Behauptung, „nicht vor meiner Haustür“ sei typisch, ist nicht haltbar. Die Zustimmung steigt bei denen, die Windkraft in ihrer Nachbarschaft schon kennen gelernt haben (FORSA-Umfrage 12/2009). Sollte das in Usingen anders sein? Wie wird die Natur für unsere Kinder und Enkel aussehen, wenn wir weiterhin fast nichts tun?

Wie man nach 13 Jahren EEG-Gesetz von einer „überstürzten, plan- und konzeptlosen“ Energiewende reden kann, bleibt das Geheimnis derer, die überhaupt nicht wollen. Am ehesten von einem wenig durchdachten Konzept reden kann man in genau umgekehrtem Sinn, dass es nämlich nicht schnell genug geht. Beim Ausbau der Erneuerbaren müssen schleunigst die dazugehörigen (Batterie-) Speicher integriert werden, da sich die nicht bzw. schwer regelbaren Atom- und Kohlekraftwerke nicht mit den Erneuerbaren vertragen. Sonst drohen uns sehr schnell immer häufigere Abschaltungen bei Fotovoltaik und Wind-kraft. Zu einem Konzept gehört auch der Umstieg auf schnell regelbare Gaskraftwerke.

(Näheres s. SFV, Solarenergie-Förderverein Deutschland)

Konzeptlos ist natürlich auch, dass unter der Energiewende nur eine Stromwende diskutiert wird. Wir werden trotz Einsparungen ein mehrfaches der heutigen Strommenge benötigen. Lt. Studie des Umweltbundesamt von 2010, Titel: 2050:100%, (oh würde der Bundesum-weltminister doch auf seine Fachleute hören) „können die erneuerbaren Energien auch den erheblichen zusätzlichen Stromverbrauch – für einen starken Ausbau der Elektromobilität, die komplette Bereitstellung von Heizungs- u. Warmwasserbedarf mit Wärmepumpen -  decken“. Der erwähnte SFV hat errechnet, dass wir für die Windkraft nicht 2% sondern 10% unserer Landesfläche  benötigen werden, und auf (fast) jedes Dach Solaranlagen gehören. Und da will eine Mehrheit unserer Stadtverordneten eine Ausschlusswirkung für weitere Windräder? Wo sonst, wenn nicht auf unseren gut geeigneten Taunushöhen sollen Windräder gebaut werden? Die Region muss natürlich auch einen Großteil der Energie für 700000 Frankfurter bereitstellen, denn in unserer Metropole lassen sich nun wirklich keine Windräder aufstellen.

 „Die Zeche zahlt der Bürger“, richtig, aber welche Zeche wird er zahlen müssen ohne Wind und Sonne?  Der Rat für nachhaltige Entwicklung, der die Bundesregierung berät, spricht bei der „Strombremse“ von „unehrlichen Argumenten“ (FR v.20.02.). Eine schallende Ohrfeige für unsere ach so besorgten zwei Minister. Die EEG-Umlage ist höchstens minimal für den Strompreisanstieg verantwortlich, die Strompreisrechnungen sind „konstruiert“. Schon auf mittlere Sicht werden die Erneuerbaren den Strompreisanstieg bremsen, da für den Betrieb keine Rohstoffe benötigt werden.

Die Forderung nach einer Ausschlusswirkung zeugt von unzureichendem Bewusstsein unserer Situation. Es geht bei der Energiewende nicht nur um den Ersatz für Atomstrom, sondern – anscheinend schon vergessen – um die Begrenzung des Klimawandels, um das 2-Grad-Ziel. Es geht nicht nur um den Umbau unserer derzeitigen Stromversorgung, sondern – weitaus anspruchsvoller – auch um möglichst 100% erneuerbare Energie im Wärme- und Verkehrs-sektor, die im wesentlichen nur über Strom (Wärmepumpe/Elektroauto) gedeckt werden kann. (Nachzulesen in der Studie des Umweltbundesamts von 2010, Titel „2050:100%“.)

Es geht, alle Einsparmöglichkeiten schon berücksichtigt, um ein Mehrfaches des derzeitigen Stromverbrauchs. Trotz der erfreulichen Entwicklung mit dem Solarpark Erdfunkstelle und nun vier Windrädern, das wird nicht reichen. Zitat „Es müsse weiter hinterfragt werden, ob dieser Standort (Markwald) der einzige ist, der ... infrage kommt“, - wie wahr.

Warum Windkraft in Usingen? Weil jeder Bürger, jede Stadt ihren Teil zur Energieversorg-ung  beitragen muss. Die Argumentation „nicht vor meiner Haustür“ ist verantwortungslos, und die Behauptung, Wetterau und Rheinebene seien geeigneter als die Taunushöhen, ist geradezu abenteuerlich. Nahezu alles, was immer noch gegen die Windkraft vorgebracht wird, hat sich in Informationsveranstaltungen in Usingen und Weilrod, in Neu-Anspach und Wehrheim oder auch Oberursel als haltlos heraus gestellt. Die Natur ist nur minimal beein-trächtigt, der Holzeinschlag muss per Gesetz ausgeglichen werden, Waldwege müssen zurückgebaut werden u.s.w. Und zu fragen ist bei all diesen Diskussionen, wie wird – nach derzeitigem Kenntnisstand – diese Natur für unsere Kinder und Enkel aussehen, wenn wir nicht erheblich mehr tun und schneller als bisher.

Wenn von Konzeptlosigkeit die Rede ist, dann eher in dem Sinne, dass wir für den Strom aus Sonne und Wind Speicher benötigen. Ohne Speicher keine Energiewende, denn Atom- und Kohlekraftwerke passen nicht zu den Erneuerbaren, da sie kaum bzw. nicht schnell genug regelbar sind. Zu weitergehenden Erläuterung fehlt hier der Platz. Pro Umwelt 21 hatte zu einer Veranstaltung über die Speicherproblematik eingeladen. Dass es nicht um Ansicht von Spinnern geht, kann man auch daran erkennen, dass der Mainova-Vertreter auf der Veranstal-tung in Weilrod die Möglichkeit von Batteriespeichern bei Windkraftanlagen erwähnte. Zu einem Konzept gehören auch neue Gaskraftwerke, wobei das Erdgas im Laufe der Jahre durch die Methan-Erzeugung aus Kohlendioxid ersetzt werden kann. Bei diesem Prozess kommt Überschussstrom aus Wind und Sonne zum Einsatz, dies als Argumentation zum  Einwand „auf der anderen Seite könne man in Deutschland mit Strom nichts anfangen“. Etwas mehr Information zu diesem sehr komplexen Thema täte einem Teil unserer Volks-vertreter gut. Zum Schluss eine weitere Bemerkung zum Stichwort „Ausschlusswirkung“, also vier Windräder, aber damit soll es genug sein. Der Solarenergie-Förderverein Deutsch-land (SFV) hat errechnet, dass für den Umstieg auf 100% Erneuerbare nicht 2% sondern 10% der Landesfläche benötigt werden.

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EEG Vergütung für Solarstrom

In den nächsten drei Monaten sinkt die Vergütung nach EEG für Fotovoltaikanlagen um 2,2% pro Monat. Dies wird zu einem massiven Einbruch in der Fotovoltaikbranche führen.

Tabelle der Vergütungssätze für Fotovoltaikanlagen für die Monate Februar 2013, März 2013 und April 2013      
             
                 Anlagen nach § 32 Abs. 2 EEG   Anl. nach § 32 Abs. 1 EEG
                           (Dachanlagen)         (Freiflächenanlagen)
  bis 10 KWp bis 40 kWp bis 1 MWp bis 10 MWp bis 10 MWp  
Inbetriebnahme            
ab 01.02.2013 16,64 15,79 14,08 11,52 11,52  
Degression     2,2 Prozent      
ab 01.03.2013 16,28 15,44 13,77 11,27 11,27  
Degression     2,2 Prozent      
ab 01.04.2013 15,92 15,10 13,47 11,02 11,02  
Degression     2,2 Prozent      

 

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Auf unserer Seite "Agroenergien" haben wir einen neuen Text eingefügt, der zur Diskussion beitragen soll. Ist das verbrennen von Pflanzenenergie zu verantworten oder sollte zwingend die materielle Verwendung im Vordergrund stehen. Wenn auch eine Verwendung, wie bei dem Foto im unteren Bild noch als Utopie erscheint, kann das verweilen von Biomasse in gebundener Form einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

 

 


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